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 Betreff des Beitrags: Kram
BeitragVerfasst: 16.12.2011 12:59 
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Das Bad


Das warme Wasser plätscherte gemächlich in die Wanne. Es war Winter und im Winter wurde das Wasser der alten Leitungen nur warm genug, wenn man es mit wenig Druck einfließen ließ. Aber das machte nichts, denn er mochte es, wenn sich die Wanne nur langsam füllte. Er mochte es mit seinen Zehen in dem Wasserstrahl zu spielen. Er mochte baden im Allgemeinen, mit viel Schaum, vor allem im Winter. An Badezusätzen mangelte es ihm nicht, denn sie liebte das Baden ebenfalls und es war ihre Wanne, in ihrer kleinen Dachgeschosswohnung.

Klack, klack, klack… das war Sie, oder besser gesagt: Das waren ihre neuen 200 EURO Pumps auf ihrem roten Laminat. Blutrote Wildleder Pumps passend zum ebenfalls neuem blutroten Kleid klackten auf blutrotem Laminat. Sie mochte Rot. Dunkles Blutrot. Trotzdem war die Wohnung gemütlich, denn mit viel Beige und Ocker hatte sie es geschafft einen wohligen Kontrast zu geben. Er mochte aber am Liebsten das Schlafzimmer und das nicht nur, weil dort ein großer Teil ihrer beider Zeit körperlichem Zusammenseins stattfand, sondern weil es wie eine Oase in dieser Wohnung wirkte. Eine kleine Oase inmitten beigeroter Gemütlichkeit. Das Schlafzimmer war grün. Viele verschiedene helle Nuancen von Grün und cremigem Weiß und auch dort immer wieder kleine Akzente blutigen Rots. Dort war auch das Laminat in diesem hellen, frischen Grün gefärbt und den ganzen Tag lang war das Fenster geöffnet. Dort ging er hin, wenn er nicht heimelig auf der Couch sitzen wollte oder am PC, sondern sich einfach strecken, durchatmen, bei sich selbst sein.

Da saß er nun, in ihrer Badewanne, mit ihrem Schaumbad und machte sich Gedanken um ihre Wohnungseinrichtung. So weit war es mit ihm also schon gekommen… Klack, klack, klack… da war es wieder, das Klackern der roten Pumps auf rotem Laminat. Es kam auf ihn zu. Sie kam auf ihn zu. Sie machte sich fertig für eine große Feier. Eine Hochzeitsfeier um genau zu sein. Dafür ja auch die neuen Pumps und das neue Kleid. Seinem Gefühl nach, machte sie sich schon wieder seit Stunden zurecht. Sie machte sich immer stundenlang zurecht, wenn sie sich zurecht machte um auszugehen und an diesem Tag natürlich besonders. Auf die allgemein gültige Regel, es dürfe keine Frau schöner sein als die Braut, legte sie keinerlei Wert.

Sie war nicht einmal wirklich eine schöne Frau. Recht hübsch für manchen, ja das war sie, aber schön? Dennoch wusste sie, wie sie sich zu einer schönen Frau machen konnte. Sie konnte sich zurecht machen, als sei sie für einen Auftritt auf dem roten Teppich bestimmt. Dabei mochte er eigentlich gar keine solch schönen Frauen. Er mochte sie lieber hübsch. So wie sie eben war. Eine Frau, nach der sich die Männer nicht umdrehten auf der Straße und schon gar keine dummen Prolls hinterher pfiffen. Eifersüchtig war er nicht, aber er brauchte auch keine Bestätigung anderer Männer, dass er eine schöne Frau habe.

Klack, klack, klack… da war sie nun. Wie immer, wenn sie ausging, betrachtete sie zuletzt ihr Werk noch einmal im Badezimmerspiegel. Das Licht dort sei am Besten dafür, hatte sie mal gesagt. Aha. Sie legte ihre guten Ohrringe an. Alte Erbstücke von der Großmutter. Kleine goldene Ohrringe. Na, wenigstens trug sie nie zu dick auf, wenn sie sich zu einer solch schönen Frau machte. Geschmack hatte sie ja. Und schöne Schultern. Ja, die Schultern waren schön. Er mochte ihre Schultern. Natürlich mochte er auch ihre Augen, aber ein Mann, der die Augen seiner Frau nicht mag, ist ein sehr armer Mann. Ihre Schultern würde sie heute Abend allen zeigen und bei dem Gedanken daran war er dann doch ein klein Wenig stolz. Oberflächlich, schalt er sich in Gedanken selbst, das hast du nicht nötig.

Er betrachtete sie, während sie kämpfte mit den Ohrringen. Wie so oft fragte er sich, was er an dieser Frau eigentlich liebte. Sie war in so vielen Dingen ganz anders, als er je gedacht hatte, lieben zu können. So furchtbar eitel konnte sie sein. Er mochte eitle Frauen noch nie wirklich. Wenigstens lief sie nicht wie diese eitlen Magergestelle, in deren vermeintlich sexy Gang. Gott, wie unerotisch er doch dieses Arschgewackel empfand. Nein, sie wackelte nicht mit dem Arsch. Trotz ihrer recht kurzen Beine machte sie immer große Schritte, außer natürlich in Pumps. Sie hatte einen speziellen Gang, mit dem sie den Meisten davon lief, ohne dabei burschikos zu wirken. Ja, ihren Gang mochte er, nicht so sehr wie ihre Schultern, aber er mochte ihn.

Aber weshalb liebte er diese Frau? Liebte er sie überhaupt? Manchmal war sie so laut, laut und aufgedreht. Nicht immer, aber manchmal und dann nervte sie ihn oft. An diesem Abend drehte sie sicherlich auch auf, aber das bekäme er nicht mit. Er bliebe daheim, in ihrem Heim. Einfach weil er das wollte – und weil sie ihn gar nicht gefragt hatte. Sie hatte nicht gefragt, weil sie es gewusst hatte. Fragen stellte sie nur selten, jedenfalls sprach sie wenige Fragen an ihn aus. Sie stellte eben keine Fragen, deren Antworten sie kannte. Unlogisch nenne sie es. Auch das nervte ihn oft, wenn sie von Logik und Unlogik sprach. Sie hielt sich selbst für so ausgesprochen logisch. Wütend war sie nicht einmal, weil er nicht mitkäme und auch resignierte sie nicht. Er mochte solche Veranstaltungen im Allgemeinen nicht und das wusste sie eben. Als sie ihm von der Einladung zur Hochzeit erzählt hatte, war das für sie Frage genug gewesen. Ihr Blick in seine Augen. Wenn sie sich ungestellte Fragen von ihm nicht beantworten ließ, dann neigte sie den Kopf immer nach rechts und quittierte es anschließend mit einem kurzen Nicken und oft Lächeln. Seine Antwort war aber gar nicht, dass er nicht mitkäme, sondern seine Antwort war, dass er keine Lust habe mitzukommen. Wäre er ihr zu Liebe mitgegangen? Herr Gott noch mal!!! Kann sie denn nicht einfach mal laut etwas fragen? Vielleicht wäre er ja trotzdem gerne mitgegangen, auch wenn er keine Lust dazu hatte. Er wusste wie absurd dieser Gedanke war, trotzdem… Sie fragte einfach ständig nicht. Sie verstand ihn einfach. Manchmal nervte ihn das, ja manchmal glaubte er es zu hassen, dass sie ihn einfach verstand. Wäre es wirklich zu viel verlangt eine Frage einfach mal auszusprechen, damit er die Chance bekäme die Unwahrheit zu sagen oder etwas einfach nur ihr zum Gefallen zu tun?

Sie war schon wieder hinausgegangen. Wahrscheinlich suchte sie ihre Tasche. Sie suchte unentwegt nach irgendwelchen Dingen. Ihr Handy und ihren Schlüssel hatte sie gerade auf der Toilette liegen gelassen. Auch das würde sie gleich suchen. Er wusste es und es nervte ihn. Warum trägt sie Handy und Schlüssel eigentlich mit sich herum, wenn sie eh noch nicht fertig ist? Einfach nervend - und unlogisch übrigens. Er hörte sie leise fluchen. Ja, das war ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sie etwas suchte.

Die blecherne Melodie von Smoke on the Water erklang. Die Melodie ihres Handys, wenn es von ihrer eigenen Festnetznummer angerufen wurde. „Dein Handy ist hier!“ Er hatte es gewusst! „Wieso habe ich es denn mit ins Bad genommen?“ Herrje noch mal, woher sollte er wissen, weshalb sie ihr dämliches Handy mit ins Bad nahm?! Ob sie wohl wusste, wie unlogisch diese Frage war? Er tauchte lieber unter, statt ihr diese Frage zu beantworten. Prustend kam er wieder aus dem Wasser hervor. Auch wenn der Badezusatz nach Orange mit Safran roch, so schmeckte er nicht wirklich sonderlich gut. Wie schmeckt eigentlich Orange mit Safran? Erschrocken wurde er aus diesem Gedanken gerissen, als er die Augen öffnete. Sie saß am Badewannenrand und beschaute sich seine Schaumbadtauchgänge mit einem frechen Grinsen. Sie grinste oft frech. „So, ich bin fertig und muss los. Auch wenn ich besser aussehe als die Braut, so sollte ich trotzdem nicht nach ihr die Kirche betreten.“
„Gerade deshalb solltest du nicht nach ihr die Kirche betreten!“ Jetzt lächelte sie. Er mochte ihr Lächeln gern. Aber wer mag das Lächeln seiner Frau nicht? Auch nur ein sehr armer Mann.
„Und, bekomme ich einen Kuss bevor ich gehe, nasser Mann?“
„Dann komm her“, erwiderte er in einem genervtem Tonfall. Dieses Mal war es nur gespielt. Sie lächelte immer noch etwas mehr, wenn er künstlich genervt mit ihr redete.
„Hey nicht, du machst mich ganz nass“, protestierte sie gegen seinen Arm um ihren Nacken, der sie festhielt. Er mochte es sie zu necken, denn dann lachte sie. Dann lachte sie auf eine schöne Art, nicht ihr dreckiges Lachen, welches allerdings auch seinen ganz eigenen Reiz hatte. Aber dieses Lachen mochte er lieber. „Du wolltest doch einen Kuss“, entgegnete er, während sie lachend versuchte, sich seinem Arm zu entwinden. „Ja, aber nicht…“, ... - ein Schrei! Zwei Schreie! Ein dumpf klatschendes Geräusch und eine in seinem Arm liegende, ihm den Rücken zugewandte, sehr nasse in Blutrot gekleidete Frau. Stille. Laute Stille! Laute Stille war schlecht, denn das bedeutete Wut. Wirkliche Wut. „Ich… es… ich… das wollte ich nicht, es, es tut mir Leid.“ Stille. Kein Wort. Kein Blick, den sie ihm zuwandte, wie sie dalag auf ihm. Es ist besser jetzt nichts zu sagen, dachte er, als sie nach ihrem Handy griff und eine gespeicherte Nummer wählen ließ. Ihre langen Finger tropften das Gerät voll, aber auch dazu schwieg er jetzt lieber, statt sie darauf hinzuweisen, dass das eventuell nicht gut sei.
„Hi Steffi… du hör mal, ich kann heute leider doch nicht kommen. Bitte entschuldige mich bei Bettina und wünsche ihnen alles Liebe von mir.“ Ihr Tonfall dabei war ganz ruhig, gelassen, als sei nichts passiert. Oh, das war nicht gut!
„Ja, mir geht es einfach ganz komisch. Mir ist furchtbar heiß, selbst mein Kleid und die Pumps sind schon ganz durchnässt. Ohne Flachs. Keine Ahnung, ob ich vielleicht Fieber bekomme, aber so kann ich wirklich nicht kommen. Ja, das kam ganz plötzlich über mich und nein, das sind nicht die Wechseljahre“, feixte sie ihrer Freundin zu. Er kam nicht umher, beifällig hinter ihrem Rücken nickend, ihre ungelogene Lüge zu würdigen und vergaß dabei das Donnerwetter, welches gleich noch über ihn herein bräche. Erst als er feststellte, dass sich ihr Körper im Wasser, die nackten Beine, Arme und vor allem Schultern, auf dem seinen gut anfühlte, meldete sich sein schlechtes Gewissen für ihren verpatzten Abend wieder. Sie sagte immer noch kein Wort, als sie sich ihre Schuhe auszog. Nun, gelenkig war sie ja, das musste man ihr lassen. Sie stellte ihre Pumps akkurat auf die Toilettenschüssel, wo das rote Wildleder vor sich hin tropfte. Ihm wurde immer unwohler. Warum sagte sie nicht endlich was? Seinetwegen sollte sie schreien, aber doch bitte irgendwas von sich geben, statt so ruhig zu bleiben. „Hilf mir mal bitte, das ist so glitschig“, bat sie stattdessen, als sie mit ihren Händen an dem rückwärtigen Reißverschluss nestelte. „Es tut mir Leid, wirklich“, denn das tat es wirklich, „nun sag doch etwas“, bat er sie, aber sie blieb stumm - grausam stumm, während sie sich ihrer Kleidung entledigte und diese zu den Pumps legte. Ihr Körper fühlte sich wirklich gut an, konnte er nicht mehr wegdenken, trotz des schlechten Gewissens und des unpassenden Momentes, über so etwas nachzudenken, als sie sich ganz auf ihn gleiten ließ und ihren Arm nach hinten greifend um seinen Nacken legte. Was? Ein Lächeln zeichnete sich langsam ab, wenn auch nur ein sehr kleines. „Ach was… ich kann mir keine bessere Art und Weise vorstellen, als bei einem Bad mit dir, auch wenn es das zweite an diesem Tag für mich ist, um meine neuen 200 EURO Pumps vollkommen zu ruinieren.“ Jetzt grinste sie, als sie die Augen aufschlug. Sie grinste ihr feixendes Grinsen, das ihm sagte, dass es nichts mehr zu sagen gäbe dazu, während ihre Augen zu ihm aufschauend blitzten, auf ihre versöhnlich freche Art. „Jetzt weiß ich es wieder…“, denn er wusste es wieder – denn das war es, wie sie nun ihren Kopf nach rechts senkte, kurz nickte und lächelte und ihm einen Kuss auf den Hals gab. Deshalb liebte er sie, weil sie ihn einfach verstand und sie verstand es.

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"Ich kann allem widerstehen, nur nicht der Versuchung." - Oscar Wilde
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 Betreff des Beitrags: Re: Kram
BeitragVerfasst: 16.12.2011 19:11 
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Es ist die unausgefeilte Erstfassung und ich verweise auf das TRIGGER!!!

Ein Päckchen Zigaretten

Er nimmt einen tiefen Zug und der bittere Qualm der Marlboro füllt seine Lungen. Das hat er sich heute verdient, Aktive, nicht den billigen Tabak, den er sonst nur raucht. Es ist ein sonniger Frühlingstag, aber das bemerkt er gar nicht wirklich. Er hängt seinen Gedanken nach, wie so oft in letzter Zeit. Einsam fühlt er sich mal wieder – oder fühlt er sich eigentlich je anders? Nein, wenn es je anders war, dann vor langer Zeit. Er sollte nicht einsam sein. Das ist einfach nicht fair; nein, das hat er nicht verdient. Er denkt an seinen kleinen Bruder, Benjamin, der vor kurzem geheiratet hat. Er mag seinen Bruder nicht und dessen Frau noch weniger. Er ist neidisch auf Benjamin, aber schließlich auch zu Recht. Seine Mutter liebte Benjamin immer mehr als ihn. Benjamin hat immer alles von seinen Eltern bekommen. Als Letztes bürgten sie sogar für den Kredit zum Kauf des Hauses. Ein kleines Haus auf dem Land. Wie gerne würde Daniel selbst auf dem Land wohnen und nicht in dieser kleinen Stadtwohnung, die nicht mal seine eigene ist, zudem an einer Hauptstraße. Die Wohnung gehört Maria, seiner Freundin. Vor zwei Jahren zog er zu ihr, was er in der Zeit schon mehr als nur einmal bereut hat. Er liebt Maria und würde alles für sie tun. Wusste sie das eigentlich? Er glaubt nicht, jedenfalls verhält sie sich nicht so. Das hat er wirklich nicht verdient. Trotzdem kommt er nicht von ihr los. Er hat es wirklich oft versucht, ist immer wieder gegangen, aber am Ende schafft sie es immer, dass er sie immer wieder zurück nimmt. Sie ist schlau auf ihre eigene Weise. Sie weiß genau, wie sie ihn dazu bringt, zu tun, was sie will. Im Gegenzug muss er alles von ihr schon regelrecht erbetteln. Nicht einmal die scheiß Kippen hat sie ihm heute mitgebracht, als sie von der Arbeit gekommen ist. Sie hat ganz genau gewusst, dass der Kiosk gegenüber geschlossen hat und es war schon zu viel von ihr verlangt, dass sie diesen kleinen Umweg von der Bushaltestelle aus gehe. Vergessen habe sie es, aber das war nur eine Ausrede, das weiß er ganz genau. So hat er selbst losfahren müssen. Ihr ist es ja egal, dass die Benzinpreise immer weiter steigen. Es sei heute stressig gewesen in der Firma, hat sie gemeint. Denkt sie etwa, er hätte keinen Stress gehabt? Den ganzen Tag hat er am Computer gesessen, um sein kleines Geschäft aufzubauen. Für sie beide. Aber das sieht sie nicht. Warum sieht sie denn nicht, wie sehr ihn das schmerzt, wenn sie wieder so tut vor ihm, als sei sie die Ernährerin von ihnen beiden und vor allem, als würde sie so ungeheuer hart dafür arbeiten. Vielleicht braucht sie das einfach, aber trotzdem ist das nicht fair. Sie ist nicht sehr stabil und sie braucht einfach den Halt, den er ihr gibt. Nur dies auch zugeben, das kann sie nicht. Wie gerne hätte er einfach mal ein kleines Danke von ihr. Vielleicht lernt sie es ja noch und ausserdem, was soll er tun? Er liebt diese Frau halt. So ist das mit der Liebe. Wieso lässt sie ihn dann nur allein mit sich selbst? Er hofft wieder bei sich, dass sie irgendwann begreift, was es bedeutet, wirklich zu lieben.
Nur noch 50 Meter und er ist Zuhause. Er lacht zynisch bei dem Gedanken an „Zuhause“. Es ist lange her, dass er so etwas wie ein Zuhause hatte. Bevor Benjamin geboren worden ist und Daniel keinen Platz mehr in Liebe seiner Mutter hatte. Damals hatte seine Mutter ihm ein Zuhause gegeben. Ja, das hat sie gekonnt. Das kann sie immer noch, aber eben nicht für ihn. Maria ist da nicht sehr gut drin. Ohne ihn ließe sie die Wohnung vollkommen verkommen. Es ist zum Verzweifeln. Das Schlimme ist, sie sieht das selbst nicht. Stattdessen holt sie sich eine Katze hinzu. Das arme Tier. Und überall diese Haare. Er ist Unordnung von seinem Elternhaus einfach nicht gewohnt. Wieder denkt er wehmütig an die schöne Zeit als Kind, ohne Benjamin.

Im Treppenhaus begegnet ihm die Polin von nebenan. Sie grüßt nicht einmal zurück. Sie hält sich für etwas Besseres, was aber auch eigentlich Marias Schuld ist. Verdammt! Warum muss er diese Frau denn nur lieben? Diese Liebe wird ihn noch kaputt machen. Verkrampft hält er die Schachtel Zigaretten fest. Maria hatte ja angeboten noch einmal loszulaufen und sie zu holen, aber so wie sie aussah? Die Leute würden sich das Maul über ihn zerreißen und das weiß sie ganz genau. Wenigstens auf sich selbst sollte sie etwas mehr Acht geben. Weiß sie denn nicht, wie schlimm es für ihn ist, sie so sehen zu müssen? Zusehen zu müssen, wie schlecht sie mit sich selbst umgeht? Natürlich weiß sie das. Sie setzt es schließlich ein, wann immer sie will. Er soll das schlechte Gewissen haben und natürlich wirkt es.

Die schwüle Luft, als er die Tür aufschließt, die ihm entgegen kommt, überrascht ihn nicht. Die Badezimmertür steht offen und das schmutzige Badewasser ist immer noch nicht abgelassen worden. Auf dem dunklen Laminat sieht er längst getrocknete Fußabdrücke und überall Fellbüschel. „Püppi, ich bin wieder da“, ruft er fröhlich in die Stille Wohnung. Er kann einfach nichts dagegen tun, sie ist und bleibt seine Püppi. Doch es kommt keine Antwort. Sie ignoriert ihn also wieder. Stattdessen hört er, wie sie die Katze von sich fort scheucht. Er verdreht genervt die Augen, denn er weiß schon, was kommen wird. Er kennt dieses Bild ganz genau und so ist es auch. Als er das Schlafzimmer betritt, sitzt sie da, als sei die Welt untergegangen. Das übliche Spiel. Sie will, dass er dafür leidet, dass er ein wenig schlecht gelaunt gewesen ist, als sie nach Hause gekommen ist. Wie er diese manipulativen Spielchen doch hasst und trotzdem kann er nichts dagegen tun. Nichts ist doch manipulierender als die Liebe. Aber heute wird er sich nicht manipulieren lassen. Sie kann noch so sehr aussehen wollen, wie ein Häufchen Elend, die Arme um die Knie, in der Ecke hockend und das strähnige lange Haar im Gesicht hängend. Einen unpassenderen Namen, als den der Heiligen Jungfrau, hätten ihre Eltern ihr nicht geben können, huscht es durch seine Gedanken.

"Wegen dir hat mich die Pollackin von nebenan wieder nicht gegrĂĽĂźt."
Langsam hebt sie ihren Kopf und schaut ihn regelrecht angewidert an. Einer der Momente, in denen ihr Maske fällt und sie ihre Arroganz zeigt. „Koleskinowa ist russisch“, erwidert sie hämisch, während sich Rotz und Mascara mit dem Blut ihrer aufgesprungenen Lippe vermischen.

Sie tut es wieder... „Mich ***** du nicht“, sind die letzten Worte, die sie hört, bevor er bei ihr ist um sie zu *****. Sie treibt ihn einfach dazu. Das hat er einfach nicht verdient...

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"Ich kann allem widerstehen, nur nicht der Versuchung." - Oscar Wilde
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 Betreff des Beitrags: Re: Kram
BeitragVerfasst: 19.11.2013 20:11 
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WeiĂź Bescheid
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Ich kann dir nicht genau sagen, was es ist, aber die Storys gefallen mir beide gut. Der Typ Frau, die Story an sich, die vielen Details mit denen du die Story, die Umgebung und überhaupt alles ausschmückst, lassen mich Teil der ganzen Szenerie werden. Fast so als würde ich als Gast im Raum stehen, während das alles so passiert.

Was mir auch gut gefällt ist, dass man dich in den Storys wieder erkennt. Weiß nicht wie ich es beschreiben soll, aber die letzte Story die ich von jemand gelesen hab(vor dir) wirkten alle jede wie die andere. Schön formuliert und alles, aber man erkannte nichts „Autorentypisches“. Das ist bei dir anders, diese Storys passen bei dir wie die Faust aufs Auge.

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Viele Menschen sind zu gut erzogen, mit vollem Mund zu sprechen, aber sie haben keine Bedenken, es mit leerem Kopf zu tun.

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