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examiner93
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- April 2020
Tag 18 der "neuen Normalität"
   02.04.2020 08:23


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 Betreff des Beitrags: Tag 18 der "neuen Normalit√§t"
permanenter LinkVerfasst: 02.04.2020 08:23 
Guten Morgähn...

kurz zu mir, ich bin 26, Sekretärin in der Gerichtsmedizin, habe einen älteren Bruder, bin Halbwaise und lebe mit meinem Partner zusammen.

Seit 16.3. haben wir hier in √Ėsterreich ja eine Ausgangsbeschr√§nkung, das gesamte Leben steht Kopf. Durch meinen Job bin ich eine der wenigen, die weiterhin jeden Tag rausgehen, weil sich gewisse Arbeiten nunmal nicht via Homeoffice erledigen lassen.

Zu Beginn war es noch so, dass es zwar √ľberall wie ausgestorben war, aber zumindest hatte ich noch eine ganz gut Verkehrsverbindung zwischen meinem Zuhause und dem B√ľro, bin mit √Ėffis unterwegs. Mittlerweile hat man die so weit eingestellt, dass ich morgens um kurz vor 6 im Zug sitze, dann den halben Weg zwischen Bahnhof und B√ľro zu Fu√ü gehen muss und nachmittags muss ich eine halbe Stunde fr√ľher gehen als ich d√ľrfte, da nur noch 2 Busse in der Stunde fahren und ich den fr√ľheren nehmen muss, weil ich sonst vom einzigen zug pro Stunde nur noch den Arsch sehe, der gerade den Bahnhof verl√§sst... im Gro√üen und Ganzen nicht so sch√∂n, aber was soll man machen...

Die ersten beiden Wochen nach Beginn der Ausgangsbeschr√§nkung hatten wir (meine Kollegin und ich) pl√∂tzlich Arbeit f√ľr mindestens 10 Leute, kamen kaum hinterher, und seit vergangenen Freitag pl√∂tzlich nichts mehr. Keine Obduktionen mehr, keine Blutproben mehr, keine Strafakten mehr. Bisher konnte ich mir nie vorstellen, dass es tats√§chlich anstrengend und erm√ľdend sein k√∂nnte, den ganzen Tag √ľber nichts zu tun, doch ich lerne dadurch gerade eine v√∂llig neue Art von Ersch√∂pfung kennen, und offen gestanden ist mir im Vergleich dazu der Stress wesentlich lieber. Wenn es was zu tun gibt, vergeht immerhin die Zeit, aber so... Man muss sich das so vorstellen, man schaut auf die Uhr und es ist zB 9:10 Uhr. Nach gef√ľhlten 4 Stunden wirft man wieder einen Blick darauf und dann ist es h√∂chstens 9:22 Uhr. Niemand ruft an, es kommt keine Post, nicht einmal E-Mails, oder wenn doch, dann sind es nur die Uni-News, die uns in der Zweigstelle nicht mal betreffen...

Als unsere Regierung am Montag bekannt gab, dass die Maßnahmen weiter aufrecht bleiben sollen und das auch noch mit "Open End" und noch weitere dazu kommen, wie die Pflicht, ab dem 6.4. MNS-Masken zu tragen sobald man sich im öffentlichen Raum bewegt, ist mir klar geworden, dass es noch sehr sehr lange dauern wird, bis hier wieder auch nur annähernd so etwas wie Normalität einkehren wird.

Ich versuche, irgendwie das Beste aus der Situation zu machen, mich nicht verr√ľckt machen zu lassen, allerdings ist das gar nicht so einfach. Es ist immer noch sehr ungewohnt, dass man nicht einfach zum Wandern oder an einen See fahren kann, wenn das Wetter sch√∂n ist, dass man nicht is Kino oder essen gehen kann, dass man sich nicht mit Freunden treffen kann oder auch nur die Familie besuchen. All diese Dinge waren so normal und selbstverst√§ndlich, und heute ist nichts davon mehr m√∂glich. Die Umstellung f√§llt nicht leicht, und trotz allem hoffe ich sehr, dass der Tag naht, an dem ich die Menschen, die ich liebe, wieder in die Arme schlie√üen kann.


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