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zutritt auf eigene gefahr

 

vive le président

permanenter Link von howl am 07.10.2011 13:20

vorhin hatten wir die angekuendigten vier-augen-gespraeche mit unserem aufsichtsratspraesidenten. uuuuh, what a waste, what a waste.

ich begab mich in den panic room, in dem der praesi schon wartete, mir jovial laechelnd die hand schuettelte und die tuer hinter mir schloss, was bei uns nicht ueblich ist und bei der schlechten belueftung auch nicht sinnvoll. aber es sollte ja ein vier-augen- und daher wohl auch ein vier-ohren-gespraech sein. wir setzten uns an den konferenztisch und er laechelte mich immer noch gewinnend ueber den antiken briefbeschwerer oder was immer das ist, was el cheffo eines tages aus heiterem himmel in der mitte des tisches angenagelt hat, hinweg an.

"ahhh, der herr howl. wie geht's denn der familie?"
familie ... da fiel mir jetzt spontan nur mein hoernchen ein, dem es zumindest am wochenende noch ganz hervorragend ging.
"danke gut", antwortete ich deshalb nach bestem wissen und gewissen.
der herr nickte wohlwollend.
"wie lange sind sie denn bei uns nun schon beschaeftigt?"
das muesste ich erstmal nachschauen, darueber denke ich naemlich nicht so gern nach.
"ungefaehr 5 jahre (?)"
"doch schon sooo lange? na, uebung macht den meister, gell?"
nee, das war'n scherz, und das heisst hier woll nicht gell ... ja, die zeit vergeht, der lack ist ab, der fruehe vogel faengt den brieftraeger ... etc.
"was haben sie denn auf dem herzen?"
uuuh, ich sach mal, abgesehen davon, dass madame ihre griffel nicht bei sich behalten kann und mich mit modischen ausrutschern irritiert, gundi mir beim fruehstueck mit informationen bezueglich ihrer freizeitgestaltung den letzten nerv raubt und el cheffo hochgradig tuedelue ist und mich noch vorzeitig ins grab bringen wird, iss allet janz prima.
"ich bin zufrieden", sagte ich vorsichtig.
der herr praesident machte aber ein gesicht, das mir das gefuehl gab, zu knapp geantwortet und sein grosszuegiges gespraechsangebot nicht angemessen gewuerdigt zu haben, so dass ich ergaenzte:
"aber vielleicht koennte die kommunikation im fuehrungsbuero (sprich el cheffo vs. madame) noch dahingehend verbessert werden, dass es keine widerspruechlichen anweisungen ans kreativteam gibt."
"viele koeche verderben den brei (hahaha)", kommentierte el praesidente konstruktiv, "eine klare linie ist immer die beste loesung."
das haette jetzt wieder auf das fashion-problem von madame gepasst, aber das behielt ich lieber fuer mich und nickte bloss pflichtschuldig.
"harmonie und ein gutes klima sind fuer mich das wichtigste in unserer firma", ging das gefasel noch weiter und ich dachte so, vielleicht sollten wir dann ein harmonium und eine klimananlage anschaffen. denn anders wird sich das wohl nicht machen lassen.

einen hatte er aber noch und den haette ich zielsicher voraussagen koennen:
"wir sind doch schliesslich eine grosse familie."
GLUECKLICHE fehlte mir da noch. wenn schon, denn schon, woll? vielleicht sollten wir mal eine familienaufstellung machen, mich wuerde generell mal interessieren, welche position ich da bekleide. wahrscheinlich bin ich der uneheliche sohn, den der esel im gallopp verloren hat, oder wie das heisst, jedenfalls kann el cheffo unmoeglich mein vater sein ... und madame ... das haut auch nicht hin.
die muessen mich wohl adoptiert haben.

damit war das gespraech aber auch schon beendet. wir schuettelten uns noch familiaer die hand und ich war nach 10min wieder draussen. ich setzte mich wieder zu hanni und phil in unser buero, wo die zwei, die vor mir dran gewesen waren, mich schon erwartungsvoll angrinsten.

"was war DAS denn wieder?" fragte ich.
"hat er dich auch nach der kueche gefragt?" wollte phil wissen.
"haeh? nein, was ist denn mit der kueche?"
"er wollte da eine klare linie haben."
gleich NOCH eine, oder watt?
"wofuer denn?"
"ich hab' keine ahnung."
die kueche ... meine fresse.

Antworten

RE: vive le président

permanenter Link von steadfast am 07.10.2011 13:56

*grins*
faellt mir grad' auch eine schoene Geschichte zu ein.

Ich hab' ja das Abitur ueber den zweiten Bildungsweg an einem Abendgymnasium gemacht.
So, und als die Abi-Pruefungen anstanden, hatte ich mir grosszuegig Urlaub genommen, sodass ich ca. 6 bis 8 Wochen lang nicht auf der Arbeit war.

Und nu' rate mal, was an meinem dritten oder vierten Arbeitstag nach dem 6-8 woechigem Urlaub anstand ...
Ein Mitarbeitergespraech lol

Da kamen dann auch so Fragen, wie ich denn zufrieden sei, wie das Arbeitsklima ist, ob mir die Arbeit Spass macht etc etc ...
Mein Protokoll hat sich derartig von den anderen abgehoben dass man haette meinen koennen, ich haette glueckspillen zu mir genommen gehabt.
Nur positive Kommentare oder nichtssagende Aussagen im Protokoll.
War ja schliesslich komplett raus aus dem Geschaeft.

Der Sinn von diesem speziellen Gespraech ist mir bis heute verborgen geblieben :lol:
Aber nu' gut, hauptsache in der Akte ist ein schoenes Protokoll :lol:

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