Startseite Tagebücher/Blogs howls Tagebuch uebernachtungsgaeste

 
zutritt auf eigene gefahr

 

uebernachtungsgaeste

permanenter Link von howl am 09.10.2011 15:09

freitagabend um kurz nach acht bekam j.j. einen emergency-anruf von seiner besten freundin, prinzessin billie, weil der babysitter ausgefallen war und sie eigentlich mit ihrem mann schon seit zehn minuten in einem konzert sitzen sollte, aber nicht wusste, wohin mit madita.

obwohl wir ein anderes nachtprogramm geplant hatten, sagte j.j. ihr nach kurzer ruecksprache mit mir, dass sie die kleine vorbei bringen koenne. gefuehlte zwei minuten spaeter klingelte es an der tuer.

billie kam atemlos mit madita auf dem arm die treppe hochgestuermt.
„du standest schon vor der tuer, oder was?“ fragte j.j. sie, als er sein patenkind entgegennahm.
„eigentlich nicht“, bestritt billie das nur halbherzig.
da madita schon im schlafanzug war und dazu nur eine jacke, socken und einen plueschhasen trug, sah j.j. ihre mutter fragend an.
„was?“ wollte billie wissen.
„das ist alles?“ frage j.j. zurueck, „du lieferst dein kind ohne ein taeschchen mit waesche, oberbekleidung oder vielleicht schuhen hier ab? nicht zu reden von zahnbuerste ... lalala?“
„oh scheisse“, sagte billie, „wir waren so in eile“, und machte dabei ein derart schuldbewusstes gesicht, dass j.j. ihr einen kuss gab und sie mit „husch“ von der tuer verjagte.
billie drueckte ihrer kleinen noch einen schmatzer auf und rief im treppe-runter-hetzen
„ihr habt was gut bei mir, was GROSSES!“

madita bewies einmal mehr erstaunliche stressresistenz und meinte zu j.j.:
„ich wollte sowieso viel lieber zu dir. die claudia riecht immer so komisch.“
„ist das deine babysitterin?“ fragte ich nach.
„ja. sie hat einen freund.“
inwieweit das den komischen geruch erklaerte, blieb mir allerdings verschlossen.

unter maditas jacke kam uebrigens ein kunterbunter pyjama mit kleinen pandas zum vorschein, der j.j., dessen spezialitaet fantastische pyjamahosen sind, vor neid erblassen liess.
„wann hast du DEN denn bekommen?“ fragte er wie erwartet.
„an meinem geburtstag“, sagte madita, „das weisst du doch.“
„meinst du deine mutter schenkt mir auch so einen zum geburtstag?“ fragte j.j. weiter.
„der passt dir doch gar nicht“, meinte die kleine zweifelnd.
„vermutlich nicht“, gab ich ihr recht und j.j. schnitt eine grimmasse.

er wollte die kleine nicht gern allein im wohnzimmer schlafen lassen, deshalb nahmen wir sie mit in sein bett.
mit madita und mimi, dem dicken hasen, in der mitte zwischen uns, machten wir es uns also schon gegen neun im bett gemuetlich.
j.j. hatte ein paar buecher mitgebracht, aus denen er madita und mich eines zum vorlesen aussuchen liess. die entscheidung fiel uns schwer.
„da haetten wir „also sprach zarathustra“," fing j.j. an.
„lieber nicht“, kommentierte ich und auch madita war nicht fuer nietzsche zu gewinnen.
„okay“, fuhr j.j. fort, „wie ist es mit „der ripper“?“
„sind da bilder drin?“ fragte madita und ich konnte mir ein „ich hoffe nicht“, nicht verkneifen.
„dann haette ich noch „grundzuege der volkswirtschaftslehre“.“
„du machst nur spass, oder?“ meinte die kleine.
j.j. lachte und legte ihr schliesslich „komet im mumintal“ vor, mit dem ich auch einverstanden war.

wir lasen reihum ein paar seiten vor und kamen an die stelle, wo der schnupferich (da haben wir ihn ja wieder) mit mumin und schnueferl eine nachtwanderung macht und an der karfunkelschlucht vorbei kommt.
„was sind denn karfunkelsteine?“ fragte madita, die das buch freilich schon kannte.
„na das, was howl an seinen ohrringen hat“, meinte j.j., woraufhin madita interessiert meine ohren anschaute.
„ich trag sie nicht im bett“, erklaerte ich, reichte ihr aber die klunker vom nachttisch rueber und sie nahm sie ehrfuerchtig entgegen.
ich bin nicht ganz sicher, was karfunkelstein wirklich ist, aber ich nehme an sowas wie granat. insofern entsprach j.j.s aussage wohl nicht ganz der wahrheit, denn was an meinen ohren funkelt, ist hauptsaechlich aus glas.
„mama hat nur diamanten“, sagte madita nach einer weile zu j.j.s grossem vergnuegen und gab mir die ueberraschend kostbar gewordenen ohrringe zurueck.

wir schafften gut die haelfte des buches mit einigen zwischendiskussionen ueber die farbwechsel des snorkfraeuleins und die rechenaufgabe im laden, bevor madita einschlafbereit war.
j.j. stand noch mal auf, um eine weitere decke zu holen, nachdem ich ihn darauf hingewiesen hatte, dass er ja ueberlicher weise nachts SEINE decke verloere und dann asyl bei mir suchte und ich mir vorstellte, dass es zu dritt dann doch ein ziemliches gedraenge gaebe und mummelte das kleine maedchen zwischen uns gut ein, das bereits tot fuer die welt war.

samstagmorgen wachte ich recht frueh und auf dem ruecken liegend von dem gefuehl auf, meine wirbelsaeule werde mir ohne ruecksicht auf dazwischen liegende organe von hinten gegen das brustbein gedrueckt. bei genauerem nachfuehlen stellte ich fest, dass die ursache dafuer offenbar ein nur beschraenkt formbarer gegenstand war, der mein rueckgrad in eine orthopaedisch nicht empfohlene richtung verformte.
aber noch bevor ich die augen aufmachte, hoerte ich madita sagen:
„ich hatte sie im arm, ganz sicher“
„weit kann sie nicht gekommen sein“, erwiderte j.j. leise und ich spuerte, dass um mich herum bereits eine behutsame bettdurchsuchung vorging.
mich muehsam aufrichtend griff ich hinter mich und foerderte mimi zutage die mit erstaunlicher elastizitaet sogleich wieder in form sprang.
„sucht ihr den?“ fragte ich.
„uuuh, haette ich mir denken koennen, dass die hasen wieder unter DIR liegen“, kommentierte j.j. vielsagend.
„wenn du was fuer hasen uebrig haettest, wuerden sie unter DIR liegen“, konterte ich ebenso zweideutig.
j.j. grinste extrabreit und madita untersuchte mimi aufmerksam auf bleibende schaeden, befand sie aber fuer unversehrt und verzieh mir meine somnambule ruecksichtslosigkeit.

eine halbe stunde spaeter kam auch schon billie, diesmal MIT sachen fuer madita und frischen broetchen fuer j.j. und mich und holte ihr kind ab.

und kaum war die tuer hinter ihnen ins schloss gefallen, hatte j.j. die broetchen in der kueche auf den tisch gepfeffert und zerrte mich am arm zurueck ins schlafzimmer, um das versaeumte nachtprogramm nachzuholen.