zutritt auf eigene gefahr
schwulenfreunde und -feinde
von howl am 04.12.2011 17:41
am wochenende, als j.j. und ich abends gerade eine rauchend vor seinem stamm-disco-club standen, drehte er sich ploetzlich von der einflugschneise der lokalitaet weg und sagte leise in mein dekolleté:
„da geht gerade die nemesis in MEINE stamm-disco.“
„ramona?“ fragte ich, da ich sofort an j.j.s leicht behaemmerte arbeitskollegin denken musste, mit der er im staendigen clinch liegt.
„nein“, antwortete er, „ramona ist ja nur ... na, ramona halt, jedenfalls hab’ ich mich an sie gewoehnt. ANGELINA ist da gerade reingegangen. aber wo du ramona schon erwaehnt hast, die sumpfkuh hat bestimmt geplaudert und verraten, wo ich mich freitagabends rumtreibe.“
jetzt wusste ich immerhin schon soviel, dass angelina die neue praktikantin in j.j.s agentur ist: eine abgebrochene musical-azubine, die sich neben einer beruflichen laufbahn im eventmanagement auch in den kopf gesetzt hat, sich einen schwulen besten freund zuzulegen, so wie andere einen pudel oder einen hamster. und dass sie j.j. fuer einen geeigneten kandidaten hielt.
inzwischen fertig geraucht gingen wir wieder rein, wobei j.j. mich als sichtschutz benutzte.
„du kannst dich doch nicht den ganzen abend hinter mir verstecken“, meinte ich.
er konterte: „das ist ja nur in deinem eigenen interesse. wenn sie rauskriegt, dass du schwul bist, hast du sie auch am hacken.“
„ich sag einfach, billie ist schon meine beste freundin und dass ich keine weiteren mehr annehmen kann“, erwiderte ich.
„nix“, sagte j.j., „die ausrede benutze ICH.“
unsere gemeinsame alibifreundin stand derweil missmutig dreinschauend mit dem ruecken an die theke gelehnt und wir gesellten uns schnell dazu, indem wir uns rechts und links sehr nah an sie dran stellten.
„was ist mit euch denn los“, wollte billie wissen.
„nichts“, sagte j.j., „wir haben dich nur so gern.“
billie sah erst ihn und dann mich misstrauisch von der seite an, als j.j. ploetzlich „ACHTUNG“ rief und sich zur theke umdrehte, aber da war es schon zu spaet.
angelina, die nemesis, hatte j.j. bereits gesehen und kam winkend zu uns ruebergestuermt.
„HALLO“, grinste sie j.j. an, „ramona hat mir gesagt, dass du am wochenende meistens hier bist“, j.j. schaute mich mit hochgezogenen hab-ich’s-dir-nicht-gesagt augenbrauen an, „ist ja total cool hier.“
inzwischen hatte j.j. besitzergreifend einen arm um billie geschlungen und ich musste mich ranhalten, um nicht wie eine gazelle von der herde getrennt zur beute zu werden. also legte ich meine hand um billies nacken und mein kinn auf ihren kopf.
angelina schien unseren huddle ueberhaupt nicht wahrzunehmen und plauderte weiter auf j.j. ein, waehrend billie begann sich unbehaglich gegen die ploetzlichen zuneigungsbekundungen zu stemmen. sie versuchte, sich unter mir wegzuducken und gleichzeitig j.j.s eiserner umklammerung zu entkommen. bevor die rangelei ganz aus dem ruder laufen konnte, sagte j.j. deshalb schnell zu angelina:
„das ist uebrigens meine ALLLLLLERbeste freundin billie.“
billie hielt inne, weil in diesem moment der groschen bei ihr fiel, denn j.j. hatte ihr gegenueber die nemesis freilich schon erwaehnt.
„und billie, das ist angelina, unsere neue praktikantin, von der ich dir schon sooooo viel erzaehlt habe“, vervollstaendigte j.j. die vorstellung.
„hallo“, sagte angelina etwas verwirrt von der foermlichkeit und nahm verspaetet die seltsame dreifachumarmung wahr, in der billie, j.j. und ich immer noch verheddert waren.
j.j. sah sich genoetigt, nun auch MICH ins spiel zu bringen und fuhr fort:
„und das ist howl ... aehm, er ist ...“ billie kam ihm zu hilfe und ergaenzte, „er ist schauspieler.“
wie jetzt?
das half j.j. weiter, denn er fuhr fort: „er spielt in chinesischen actionfilmen mit, in hongkong kennt ihn jeder“ und billie setzte dem ganzen die krone auf indem sie behauptete „er macht seine stunts alle selbst.“
angelina nickte mir unsicher zu und j.j. fuegte noch hinzu:
„er spricht kein deutsch ...“
„und englisch auch nicht ...“ ergaenzte billie schnell, der angelinas komisches gesicht grossen spass zu machen schien und j.j. toppte mit:
„eigentlich spricht er UEBERHAUPT nicht.“
angelina schaute daraufhin derartig verwirrt und hilflos drein, dass billie schliesslich mitleid hatte und sie nahm sie beiseite, um ihr zu erklaeren, dass j.j. und ich nur bloede vollidioten seien, die sich aber auch IMMER ein opfer suchten, ueber das sie sich lustig machen konnten. was angelina offenbar eher erleichterte als veraergerte.
spaeter am abend fand ich moritz in der lounge, wo er gerade in eine heftige diskussion mit einem typen verwickelt war, der aussah wie ein greenpeace-aktivist.
er winkte mich schnell zu hilfe heran.
„hi“, sagte der typ unfreundlich und fuhr im befehlston fort: „liess dir das hier mal durch.“
damit drueckte er mir ein flugblatt in die hand, das zu einer protestaktion gegen eine jamaikanische reggae-band aufrief.
„die fordern in ihren texten dazu auf, schwule zu killen“, erklaerte er mir in einem ton, der mich an fussgaengerzonengespraeche mit aggressiven tierschuetzern erinnerte, die einem das abschlachten von robbenbabys in den leuchtendsten farben an den kopf knallen.
„aha“, sagte ich und moritz hob hilflos die arme.
in dem moment kam j.j. rueckwaerts um die ecke getanzt, anscheinend mal wieder auf der flucht vor seiner zudringlichen praktikantin. hocherfreut, moritz und mich zu sehen gesellte er sich zu uns und der schwulenschuetzer zwang ihm sogleich eines seiner pamphlete auf.
„ahh, ein battyman killer“, sagte j.j., nachdem er das flugblatt ueberflogen hatte, „kill da chi chi man.“
„du kennst dich damit aus?“ fragte der typ einigermassen verbluefft.
„ich arbeite in der branche“, sagte j.j.
„und was TUST du dagegen, dass solche bands ihren hass von der buehne aus verbreiten?“
„ich lad’ sie nicht ein.“
der schwulenschuetzer lachte veraechtlich. „dir ist das also egal, solange du selbst nichts mit denen zu tun hast? da machst du’s dir ja schoen einfach.“
moritz, der noch an j.j.s „battyman“-bemerkung zu knacken hatte meinte:
„ich komm’ da gerade nicht ganz mit. was IST denn ein battyman?“
„na DU bist ein battyman“, sagte j.j., „du und ich und der da (ich).“
„hab’ ich noch nie gehoert“, sagte moritz. „ich haette das jetzt gar nicht verstanden.“
„ich auch nicht“, gab ich zu, „und dann waeren wir wahrscheinlich auch gar nicht losgezogen und haetten schwule umgebracht ... mal abgesehen davon, dass wir ja selbst schwul sind.“
„ihr kotzt mich an“, sagte der typ, „wahrscheinlich muss es erst einen von euch erwischen, bevor ihr den a r s c h hochkriegt.“
„peace man“, meinte j.j., „aber wenn ich wegen jedem dreck, den irgendein bekiffter pisser auf der buehne loslaesst 'ne demo anzetteln wollte, haette ich gar keine zeit mehr, schwul zu sein.“
der schwulenschuetzer schnaufte veraechtlich und liess uns dann stehen.
„war da nicht letztens erst was mit bushido?“ fragte moritz.
„ja genau“, bestaetigte j.j., „noch sonne a r s c h geige. vielleicht sollten wir den integrativen gangsta-rapper mal auf mr. battyman-killer ansetzen, damit er sich sein vergoldetes rehlein wenigstens im nachhinein verdient.“
wir gingen zurueck in den disco-bereich, wo billie uns mitteilte, dass fraeulein angelina inzwischen gegangen war.
„no woman, no cry“, sang j.j. daraufhin, offenbar immer noch nicht ganz fertig mit der reggae-affaere.
moritz meinte nachdenklich: „genau genommen ist das ein PRO-schwuler-song, oder?“
„na bob marley ist ja auch mal fast erschossen worden“, sagte ich.
r.i.p. bob
„da geht gerade die nemesis in MEINE stamm-disco.“
„ramona?“ fragte ich, da ich sofort an j.j.s leicht behaemmerte arbeitskollegin denken musste, mit der er im staendigen clinch liegt.
„nein“, antwortete er, „ramona ist ja nur ... na, ramona halt, jedenfalls hab’ ich mich an sie gewoehnt. ANGELINA ist da gerade reingegangen. aber wo du ramona schon erwaehnt hast, die sumpfkuh hat bestimmt geplaudert und verraten, wo ich mich freitagabends rumtreibe.“
jetzt wusste ich immerhin schon soviel, dass angelina die neue praktikantin in j.j.s agentur ist: eine abgebrochene musical-azubine, die sich neben einer beruflichen laufbahn im eventmanagement auch in den kopf gesetzt hat, sich einen schwulen besten freund zuzulegen, so wie andere einen pudel oder einen hamster. und dass sie j.j. fuer einen geeigneten kandidaten hielt.
inzwischen fertig geraucht gingen wir wieder rein, wobei j.j. mich als sichtschutz benutzte.
„du kannst dich doch nicht den ganzen abend hinter mir verstecken“, meinte ich.
er konterte: „das ist ja nur in deinem eigenen interesse. wenn sie rauskriegt, dass du schwul bist, hast du sie auch am hacken.“
„ich sag einfach, billie ist schon meine beste freundin und dass ich keine weiteren mehr annehmen kann“, erwiderte ich.
„nix“, sagte j.j., „die ausrede benutze ICH.“
unsere gemeinsame alibifreundin stand derweil missmutig dreinschauend mit dem ruecken an die theke gelehnt und wir gesellten uns schnell dazu, indem wir uns rechts und links sehr nah an sie dran stellten.
„was ist mit euch denn los“, wollte billie wissen.
„nichts“, sagte j.j., „wir haben dich nur so gern.“
billie sah erst ihn und dann mich misstrauisch von der seite an, als j.j. ploetzlich „ACHTUNG“ rief und sich zur theke umdrehte, aber da war es schon zu spaet.
angelina, die nemesis, hatte j.j. bereits gesehen und kam winkend zu uns ruebergestuermt.
„HALLO“, grinste sie j.j. an, „ramona hat mir gesagt, dass du am wochenende meistens hier bist“, j.j. schaute mich mit hochgezogenen hab-ich’s-dir-nicht-gesagt augenbrauen an, „ist ja total cool hier.“
inzwischen hatte j.j. besitzergreifend einen arm um billie geschlungen und ich musste mich ranhalten, um nicht wie eine gazelle von der herde getrennt zur beute zu werden. also legte ich meine hand um billies nacken und mein kinn auf ihren kopf.
angelina schien unseren huddle ueberhaupt nicht wahrzunehmen und plauderte weiter auf j.j. ein, waehrend billie begann sich unbehaglich gegen die ploetzlichen zuneigungsbekundungen zu stemmen. sie versuchte, sich unter mir wegzuducken und gleichzeitig j.j.s eiserner umklammerung zu entkommen. bevor die rangelei ganz aus dem ruder laufen konnte, sagte j.j. deshalb schnell zu angelina:
„das ist uebrigens meine ALLLLLLERbeste freundin billie.“
billie hielt inne, weil in diesem moment der groschen bei ihr fiel, denn j.j. hatte ihr gegenueber die nemesis freilich schon erwaehnt.
„und billie, das ist angelina, unsere neue praktikantin, von der ich dir schon sooooo viel erzaehlt habe“, vervollstaendigte j.j. die vorstellung.
„hallo“, sagte angelina etwas verwirrt von der foermlichkeit und nahm verspaetet die seltsame dreifachumarmung wahr, in der billie, j.j. und ich immer noch verheddert waren.
j.j. sah sich genoetigt, nun auch MICH ins spiel zu bringen und fuhr fort:
„und das ist howl ... aehm, er ist ...“ billie kam ihm zu hilfe und ergaenzte, „er ist schauspieler.“
wie jetzt?
das half j.j. weiter, denn er fuhr fort: „er spielt in chinesischen actionfilmen mit, in hongkong kennt ihn jeder“ und billie setzte dem ganzen die krone auf indem sie behauptete „er macht seine stunts alle selbst.“
angelina nickte mir unsicher zu und j.j. fuegte noch hinzu:
„er spricht kein deutsch ...“
„und englisch auch nicht ...“ ergaenzte billie schnell, der angelinas komisches gesicht grossen spass zu machen schien und j.j. toppte mit:
„eigentlich spricht er UEBERHAUPT nicht.“
angelina schaute daraufhin derartig verwirrt und hilflos drein, dass billie schliesslich mitleid hatte und sie nahm sie beiseite, um ihr zu erklaeren, dass j.j. und ich nur bloede vollidioten seien, die sich aber auch IMMER ein opfer suchten, ueber das sie sich lustig machen konnten. was angelina offenbar eher erleichterte als veraergerte.
spaeter am abend fand ich moritz in der lounge, wo er gerade in eine heftige diskussion mit einem typen verwickelt war, der aussah wie ein greenpeace-aktivist.
er winkte mich schnell zu hilfe heran.
„hi“, sagte der typ unfreundlich und fuhr im befehlston fort: „liess dir das hier mal durch.“
damit drueckte er mir ein flugblatt in die hand, das zu einer protestaktion gegen eine jamaikanische reggae-band aufrief.
„die fordern in ihren texten dazu auf, schwule zu killen“, erklaerte er mir in einem ton, der mich an fussgaengerzonengespraeche mit aggressiven tierschuetzern erinnerte, die einem das abschlachten von robbenbabys in den leuchtendsten farben an den kopf knallen.
„aha“, sagte ich und moritz hob hilflos die arme.
in dem moment kam j.j. rueckwaerts um die ecke getanzt, anscheinend mal wieder auf der flucht vor seiner zudringlichen praktikantin. hocherfreut, moritz und mich zu sehen gesellte er sich zu uns und der schwulenschuetzer zwang ihm sogleich eines seiner pamphlete auf.
„ahh, ein battyman killer“, sagte j.j., nachdem er das flugblatt ueberflogen hatte, „kill da chi chi man.“
„du kennst dich damit aus?“ fragte der typ einigermassen verbluefft.
„ich arbeite in der branche“, sagte j.j.
„und was TUST du dagegen, dass solche bands ihren hass von der buehne aus verbreiten?“
„ich lad’ sie nicht ein.“
der schwulenschuetzer lachte veraechtlich. „dir ist das also egal, solange du selbst nichts mit denen zu tun hast? da machst du’s dir ja schoen einfach.“
moritz, der noch an j.j.s „battyman“-bemerkung zu knacken hatte meinte:
„ich komm’ da gerade nicht ganz mit. was IST denn ein battyman?“
„na DU bist ein battyman“, sagte j.j., „du und ich und der da (ich).“
„hab’ ich noch nie gehoert“, sagte moritz. „ich haette das jetzt gar nicht verstanden.“
„ich auch nicht“, gab ich zu, „und dann waeren wir wahrscheinlich auch gar nicht losgezogen und haetten schwule umgebracht ... mal abgesehen davon, dass wir ja selbst schwul sind.“
„ihr kotzt mich an“, sagte der typ, „wahrscheinlich muss es erst einen von euch erwischen, bevor ihr den a r s c h hochkriegt.“
„peace man“, meinte j.j., „aber wenn ich wegen jedem dreck, den irgendein bekiffter pisser auf der buehne loslaesst 'ne demo anzetteln wollte, haette ich gar keine zeit mehr, schwul zu sein.“
der schwulenschuetzer schnaufte veraechtlich und liess uns dann stehen.
„war da nicht letztens erst was mit bushido?“ fragte moritz.
„ja genau“, bestaetigte j.j., „noch sonne a r s c h geige. vielleicht sollten wir den integrativen gangsta-rapper mal auf mr. battyman-killer ansetzen, damit er sich sein vergoldetes rehlein wenigstens im nachhinein verdient.“
wir gingen zurueck in den disco-bereich, wo billie uns mitteilte, dass fraeulein angelina inzwischen gegangen war.
„no woman, no cry“, sang j.j. daraufhin, offenbar immer noch nicht ganz fertig mit der reggae-affaere.
moritz meinte nachdenklich: „genau genommen ist das ein PRO-schwuler-song, oder?“
„na bob marley ist ja auch mal fast erschossen worden“, sagte ich.
r.i.p. bob
Mai 2012
April 2012