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zutritt auf eigene gefahr

 

jaeger und sammler

permanenter Link von howl am 29.01.2012 18:20

die vor zwei wochen ausgesuchten stylischen augenglaeser fuer j.j. sollten am samstag fertig sein, deshalb machten wir uns nach dem fruehstueck auf in die stadt, um sie abzuholen.

im geschaeft bediente uns zunaechst ein junges maedel, das allerdings, als j.j. ihr den abholschein gegeben hatte, nach hinten lief mit den worten:
„da hole ich mal frau bobe.“

zwei minuten spaeter kam die dame noch am pausenbrot kauend aus dem hinterzimmer und strahlte uns an, als ob wir ihre lieblingskunden seien.

sie kramte hinter der ladentheke in der abholschublade und holte j.j.s neue brille aus dem umschlag.

„so“, sagte sie, als sie die buegel ausklappte, „dann wollen wir mal sehen, ob sie auch passt.“
j.j. beugte sich mit vorgereckter nase ueber den tresen, was von der seite ein bisschen so aussah, als ober er frau bobe kuessen wollte.

ich stuetzte die ellbogen auf mein ende der theke und beobachtete, wie die dame j.j. tief in die augen schaute, die brille noch mal abnahm und die buegel in eine art bunsenbrenner hielt, um sie weich zu machen und zurecht zu biegen.
dann hielt sie j.j. das gestell wieder hin und er ging erneut in kussposition.

frau bobe fing meinen blick auf und zwinkerte mir zu. woraufhin j.j. ohne mich anzuschauen fragte:
„flirtest du schon wieder?“
„na klar“, antwortete ich sehr zum vergnuegen der dame und ihrer kollegin, die gerade dazu gekommen war.

die brille wurde noch mal abgenommen und erhitzt, was j.j. dazu nutzte ein paar grimmassen in meine richtung zu schneiden. dann hielt er frau bobe noch mal die nase hin. sie platzierte das gestell, drehte behutsam j.j.s kopf zur seite von mir weg, klappte sein linkes ohr nach vorn und kontrollierte, ob der buegel da sass, wo er sollte. das gleiche machte sie mit seinem rechten ohr, wobei j.j. mir einen fantastischen „was macht die da bloss mit mir“-blick zuwarf.

„alles fertig“, sagte die dame schliesslich, „moechten sie sie gleich aufbehalten?“
„ja sicher, ich muss sie ja erstmal eintragen“, antwortete j.j. und ich ergaenzte:
„woll?“

als service bekam j.j.s alte brille eine grundreinigung und es gab noch ein pflegeset und ein schickes brillenetui dazu.

spaeter bei ihm zu hause nahm er das etui aus der jackentasche und ich fragte:
„was machst du denn jetzt mit der alten brille?“
j.j. antwortete nicht, sondern ging damit ins wohnzimmer. ich folgte ihm und schaute ihm ueber die schulter, als er eine schrankschublade aufzog ... und die brille zu den uebrigen sechzehn tat, die bereits darin lagen.

„hebst du die fuer schlechte zeiten auf?“ fragte ich belustigt. aber j.j. sah mich veraechtlich an und meinte:
„das verstehst du nicht, das verstehen nur brillentraeger.“

das mag wohl sein.

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