Startseite Tagebücher/Blogs howls Tagebuch huejundai

 
zutritt auf eigene gefahr

 

huejundai

permanenter Link von howl am 03.10.2011 14:10

freitagnacht, als j.j. und ich es uns schon in seinem bett gemuetlich gemacht hatten, blaetterte er noch mal die tageszeitung durch und blieb bei den kleinanzeigen haengen.
„wir koennten demnaechst vielleicht mal ein paar autos anschauen“, sagte er.
(er will sich schon seit einiger zeit einen „neuen“ gebrauchten kaufen, bisher war das aber nur ein formloser plan)
„was hast du dir denn so vorgestellt?“ fragte ich.
„ach keine ahnung“, sagte j.j., „irgendwatt solides.“
„das ist ja ein SEHR allgemeines kriterium“, noergelte ich herum.
j.j. liess die zeitung sinken und sah mich an:
„was willst du? ich bin schwul, ich kenn mich nicht so aus mit autos.“
„na du musst ja nicht JEDES klischee bedienen“, stichelte ich weiter, woraufhin er nach einem harten gegenstand suchte, den er mir auf den kopf hauen konnte.

„was fuer ein auto wuerdest DU denn nehmen“, fragte er mich, nachdem er den blumenhocker wieder zurueck auf den balkon gebracht hatte.
„ich hab’ selbst keine ahnung von autos“, erwiderte ich und rieb mir die schmerzende stelle am arm, mit dem ich mich vor einem kopftreffer geschuetzt hatte.
j.j. kommentierte:
„naja, du bist ja neuerdings auch irgendwie schwul, das ist dann ja kein wunder.“
„ich hab’ mich vorher aber GENAUSO WENIG ausgekannt“, konterte ich, woraufhin j.j. anstalten machte, den hocker wieder zu holen.

„na, jetzt mal ernsthaft, wen koennten wir zum autokauf mitnehmen?“ fragte er schliesslich.
„BILLIE“, flachste ich, „mit der kannst du dann ueber die farbe streiten.“
„SOOO schwul bin ich nun auch wieder nicht.“
„deinen vater?“ schlug ich vor.
„ach, der tritt bloss gegen die reifen und fragt: ‚wie lange hat der denn noch tuev?’ ...“
dann ergaenzte er nach einer kurzen denkpause, „ich bin bloed, ich frag MORITZ.“
„da haetten wir dann ja NOCH einen schwulen“, wunderte ich mich.
„nee, ... ich mein, ja, ... aber moritz kennt sich mit autos aus. der hat mal kfz-mechaniker oder sowas gelernt.“
„was, moritz?“
„ja, wirklich. das war bevor er wolli kennen gelernt hat und alles den bach runter ging.“

wir schauten noch einmal zusammen in die zeitung und ich zeigte auf ein preisguenstiges angebot.
„was ist mit dem?“
„ein hyundai?“ fragte j.j. und schaute mich komisch an, „moritz wuerde NIE ein japanisches auto kaufen.“
„das ist ‚ne koreanische marke, du hoernchen“, erwiderte ich, „und man spricht es „chondae“ aus.“
„ach nee“, sagte j.j., „jetzt kennt sich meister schingschangschong auf einmal DOCH mit autos aus“, streckte mir die zunge raus und fluechtete schnell aus dem bett auf den balkon.
ich nutzte die gunst der minute und machte die tuer hinter ihm zu, bevor er mit dem blumenhocker bewaffnet zurueckkommen konnte, stellte sie dann auf kipp und legte mich in aller seelenruhe wieder ins bett.

j.j. sang eine weile „HUEEEE...JUUUUNNNN...DAAAAIIIII“ durch den tuerspalt und ging irgendwann dazu ueber mir die vorzuege einer uebernachtung auf dem balkon aufzuzaehlen:
„ich kann hier die ganze nacht rauchen, ohne aufzustehen und rauszugehen. ich BIN ja schon draussen. und die sterne blinken am himmel und laecheln mich an.“
„kannst du doch gar nicht sehen“, konterte ich vom bett aus, „deine brille liegt ja hier drinnen.“
„und die frische LUFT“, fuhr j.j. meinen einwurf ignorierend fort und atmete demonstrativ tief ein, um dann noch mal halblaut, um nicht allzu viele nachbarn aufzuschrecken, „HUEEJUNNNDAIII“ zu rufen.

eine weile fuhrwerkte er weiter auf dem balkon herum, liess mich wissen, dass er nun MEINEN tabak rauchen wuerde, goss die blumen, sprach noch ein bisschen mit ihnen, in erster linie ueber die nachteile, die eine beziehung mit sich bringt und irgendwann wurde es schliesslich still.
ich ging davon aus, dass das ein trick war und er nur darauf wartete, dass ich misstrauisch nach ihm sehen wuerde und ruehrte mich deshalb nicht aus dem bett. stattdessen machte ich den fernseher an und zappte mich durchs nachtprogramm, als j.j. auf einmal durch die wohnzimmertuer wieder reinkam und sagte:

„mannomann, wir muessen uns undbedingt angewoehnen, die balkontuer nebenan richtig zuzumachen. da steigen einem vielleicht TYPEN ein.“

cron