Startseite Tagebücher/Blogs howls Tagebuch chaos, aussatz und autoritaeten

 
zutritt auf eigene gefahr

 

chaos, aussatz und autoritaeten

permanenter Link von howl am 08.02.2012 20:03

im jugendzentrum, da wo ich meine kampfmaeuse trainiere, wird mal wieder renoviert und umgebaut, unter anderem auch die turnhalle. deshalb lagen meine tatamis heute nicht dort, wo sie sonst liegen und ueberhaupt war alles ganz anders.
mir persoenlich ist das verhaeltnismaessig hupe, was die da machen, solange die sich nicht an meinen sachen vergreifen oder die halle SO zustellen, dass man nicht mehr trainieren kann. aber huiii, als die maeuse kamen, da war vielleicht was los.

"wieso liegen die matten denn jetzt DA?"
"wo sind denn die grossen baelle?"
"warum ist da eine torwand aufgemalt?"
"duerfen wir fussball spielen?" (NEIN!)
"wieso ist denn der schrank abgeschlossen?"

man koennte meinen, ich sei nicht der taekwondo-trainer sondern hueter der heiligen turnhalle. tatsaechlich bin ich exakt genauso oft da wie die kinder auch, naemlich einmal in der woche.

ich beantwortete die fragen mit variationen von "weiss ich nicht" "keine ahnung" "muesst ihr kati fragen" ... bis sie irgendwann angesichts meiner vollstaendigen ahnungslosigkeit aufgaben.

spaeter im training machte ich wieder einmal das reaktionsspiel, bei dem wir uns im kreis an den haenden fassen und reihum irgendeine uebung machen, die moeglichst schnell nach dem nebenmann im kreis ausgefuehrt werden muss.
eigentlich sind die maeuse alle in einem alter, in dem das haendefassen noch im rahmen des vertretbaren liegt, allerdings ist lara letzte woche 10 geworden und nahm das zum anlass jungs fortan (bis zum eintritt in die oder austritt aus der pubertaet, je nachdem ob sie frueh- oder spaetentwicklerin ist) als aussaetzige zu betrachten. das galt anscheinend aber nicht fuer erwachsene jungs wie mich. nachdem naemlich lara ben nicht an die hand nehmen wollte, stellte sie sich stattdessen neben mich und akzeptierte meine linke. auf der anderen seite neben ihr stand nun aber nick, der zwar in ihren augen akzeptabler als ben war (die aussaetzigkeit ist offenbar graduell und wie man an MIR sieht, waechst sie sich irgendwann ganz aus), aber auch nicht wirklich angesagt.
"okay, kannst du denn MAI wenigstens an die hand nehmen?" fragte ich. denn man soll ja kinder mit ihren abneigungen ernst nehmen, auch wenn es die doofe lara ist.
da schaltete sich aber mai ein und sagte:
"ich will aber lara nicht die hand geben."
was mich nicht wirklich ueberraschte, denn eigentlich koennen die beiden sich nicht ausstehen. nur siegte bei lara offenbar das geschlecht ueber marginale feindseligkeiten.

ich vergass daher lieber, dass man kinder mit ihren abneigungen ernst nehmen soll, unterstrich meine anweisung, jetzt gefaelligst doch nick an der hand zu nehmen, mit einem eindrucksvoll finsteren blick, und wir konnten endlich anfangen.

dann kam auch noch kurz vor schluss bens mutter zu einem dieser "wie macht er sich denn"-gespraeche, die alle halbe jahr mal faellig sind. dazu muss man vielleicht sagen, dass ben jetzt nicht gerade ein intellektueller ueberflieger ist, was zum grossen teil daran liegen mag, dass seine aufmerksamkeitsspanne nur bruchteile von sekunden umfasst.
das hat allerdings den vorteil, dass er auch den rauhen ton, den ich mitunter anschlage, schnell und ausgesprochen gelassen wegsteckt, so dass ich mir wenig gedanken ueber paedagogisches versagen von meiner seite mache.
darin bestaerkte mich gluecklicher weise auch die mutti:
"aaach, wenn er nicht hoert, dann koennen sie ihn ruhig auch mal anschnauzen. und wenn es ganz schlimm wird, sagen sie das nick, der erzaehlt mir das dann weiter."
unschuldige kinder zu denunzianten machen ... stellvertreter-petzen oder was?
"ich meld' mich dann schon bei ihnen", gab ich mutti zu verstehen, die im uebrigen bens kleine schwester mitgebracht hatte, die mich nassforsch fragte, wieso nur ICH einen SCHWARZEN guertel tragen wuerde.
"na weil ich hier der chef bin" (woll?)
"traegst du den IMMER?"
ja, immer, im buero, im bett, unter der dusche ... ich werde sofort nervoes, wenn mich nicht dieser baumwollstrang in der mitte umschnuert.
"nein, nur hier."
"dann bist du nur HIER der chef."
genau. im buero sitzt da naemlich so ein alter mann, der sich fuer den chef haelt und dem wird nicht widersprochen.

aber wenigstens einmal die woche bin ich der chef ... von einer handvoll kampfmaeuse, woll?